Je weniger Kraft wir verwenden, desto stärker sind wir.
Je stiller wir sind, desto überzeugender wirken wir.
Aikido ist ein Weg, sich mit den scheinbaren Gegensätzen der Welt auseinanderzusetzen. So müssen wir uns innerhalb der Formen langsam bewegen können – aber auch schnell. Langsame Bewegung lässt uns mit Ruhe betrachten, was wir mitbringen und wie wir mit uns und der Welt umgehen. Schnelle Bewegung hingegen erleichtert einen Zugang zu uns selbst, der bis dahin häufig vom Verstand eingenommen wird.
Was für die Geschwindigkeit gilt, gilt auch für alle anderen Aspekte. Je mehr wir im Training Schärfe anwenden, desto größer wird unsere Fähigkeit, mit Sanftheit zu arbeiten. Ein weiteres Beispiel ist Festigkeit: Mit der Zeit lernen wir, dass wir einen Menschen, der uns so fest hält, wie er kann, am besten mit Leichtigkeit bewegen (anstatt ebenfalls fest zu werden und mit Härte zu reagieren). Und obwohl wir ein immer höheres Level an Leichtigkeit gewinnen, werden die Trainings zunehmend intensiver. Haben wir den ersten mehrtägigen Lehrgang noch mit einem Gi (Aikido-Anzug) bewältigt, füllen irgendwann ein halbes Dutzend davon den Koffer. Dies, weil Leichtigkeit und Verausgabung, egal in welcher Geschwindigkeit, zunehmend verschmelzen.
Am Anfang fühlt sich vieles im Aikido an, als würde man versuchen, zwei gleiche Pole eines Magneten aufeinander zu drücken. Diese sich abstossenden Kräfte, denen wir begegnen, sind die Widersprüche in uns selbst; die Entfremdung, die wir uns aus verschiedensten Gründen aufbürden. Aikido ist hierbei wie ein Meissel, den wir von möglichst vielen verschiedenen Seiten an uns selbst anlegen, um unsere Widersprüchlichkeiten Stück für Stück von uns abzuklopfen. Wenn es uns gelingt, hierbei den Mut nicht zu verlieren, bemerken wir irgendwann, dass jegliches Scheitern, alle Umwege und sämtliche Widrigkeiten stets unsere wichtigsten Begleiter sind.
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